Erste Tagung des Netzwerk Psychoenergetik im Koster Dornach, 31. März bis 2. April 2017
auf der flucht // ins leben

Die erste Tagung des Netzwerkes Psychoenergetik bot allen an der Psychoenergetik Interessierten einen Ort des Austauschs und der Diskussion, der Vernetzung und der Information.

Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit dem aktuellen, aber auch archetypischen Thema der Flucht. Was macht das Thema Flucht, die Begegnung mit Geflüchteten – aber auch die Konfrontation mit eigene Ängsten und Ausflüchten mit uns? Was bedeutet es, dieses Thema aus einer psychoenergetischen Perspektive wahrzunehmen? Was hat die Psychoenergetik zum Thema Flucht zu sagen? All dies erkundeten die Tagungsteilenehmer*innen in Begegnungen und Begegnungsspielen, in Vorträgen und Diskussionen, in Workshops zur Selbsterfahrung und künstlerischen Darbietungen.

Am Freitag eröffnete die Ärztin, Homöopathin und Psychoenergetikerin Herta Wegner die Tagung mit einer dichten Einstimmung ins Thema; wichtig war ihr dabei der Unterschied zwischen reflexhaften, instinktivem Fliehen (eine Reaktion alles Lebendigen auf Bedrohung) und bewusstem Flüchten. Die Referentin berichtet aber auch über berührende und intensive Erlebnisse aus der Arbeit mit geflüchteten Kindern.

 

 

Der Abend des ersten Tages galt der künstlerischen und performativen Auseinandersetzung mit dem Tagungsthema. Die Tänzerinnen Isabella Schwaderer und Katrin Rudloff gestalteten gemeinsam mit dem syrischen Musiker Saramad Alabed Almajid eine lyrische und tänzerische Performance unter dem Titel عبور ubur: transit in motion  Die Bewegungen des orientalischen Tanzes verwoben sich mit den Kompositionen und der Lyrik Almajids, die seine eigenen Fluchterfahrungen reflektierten. Die im Libanon geborene Dialogische Prozessbegleiterin Halla Zhour rezitierte ein „Fluchtgebet“. Die italienische Performancekünstlerin und Tanztherapeutin Annalisa Maggiani visualisierte die Themen „Selfie“ und „Exodus“, die Flucht (vor sich selbst) als kollektives und gleichzeitig vereinzelndes Phänomen, unterstützt vom Videokünstler Mario Morleo. 

(Annalisa Maggiani auf youtube)

Am Samstagvormittag standen drei Vorträge auf dem Programm, die das Tagungsthema unter sehr verschiedenen Aspekten beleuchteten.

Katharina Waldner, Religionswissenschafterin und Co-Autorin des Buches Alles Neue beginnt im Kleinen – eine Einführung in die Psychoenergetik nach Peter Schellenbaum (Shaker 2014) zeigte auf, dass sowohl die Traumatherapie nach Peter Levine also auch die Arbeit Peter Schellenbaums darauf zielen, einen „eingefrorenen“ Fluchtreflex zu befreien und dadurch Traumatisierungen und ihre negativen Folgen auf leiblicher Ebene aufzulösen

[Vortrag als PDF herunterladen].

Die Jungianische Psychotherapeutin und Pfarrerin Elisabeth Grözinger lenkte den Blick auf die „Fluchtgeschichten der deutschen 1945er Generation“ und erläuterte anhand von Biographie und Werk der Dichterin Marie Luise Kaschnitz die Besonderheit der damaligen Situation und der sich draus ergebenden ästhetischen Form des „Übergangstexts“. [Vortrag als PDF herunterladen] Der Theologe Wolfgang Teichert schließlich zeigte auf, wie Geschichte und Identität Europas auf „Fluchtgeschichten“, insbesondere dem griechisch-römischen Mythos der Flucht des Aeneas von Troja nach Rom aber auch der biblischen Exodus-Erzählung rekurrieren. [Vortrag als PDF herunterladen]

Der Samstagnachmittag lud zum Verweilen im bereits frühlingshaften warmen Garten des Klosters Dornach ein – oder aber zur Teilnahme an einem der angebotenen Workshops (Einführung in die Psychoenergetik, Spontanritual, Psychodrama).  

 

Höhepunkt und Abschluss der Tagung bildete am Sonntagmorgen Vortrag und Diskussion mit Hartmut Rosa, Soziologieprofessor in Jena und Autor des viel diskutierten Buches Resonanz.  Eine Soziologie der Weltbeziehungen (Suhrkamp 2012). In einer lebendigen Auseinandersetzung und Begegnung der Anwesenden mit dem Autor zeigten sich Ähnlichkeiten und Unterschiede eines soziologischen und psychoenergetischen Begriffes von „Resonanz“.

(Hartmut Rosa und sein Resonanzbegriff auf youtube)